Tarotkarten – Der Hohepriester
Auch hier sehen wir wieder das weiße Untergewand und den roten
Umhang, aber auch die Farbe Blau wird am unteren Ende des Kleides sichtbar.
(Reinheit, Energie, Intuition) Der Hohepriester trägt eine dreifache Krone und
sein Stab endet in einem dreifachen Kreuz, drei Finger seiner rechten Hand
zeigen nach oben. Die Drei ist eine stabile Zahl. Ein Tisch mit drei Beinen
wackelt nicht. Die Drei steht auch für drei Bewusstseinsebenen des Menschen :
Überbewusstsein, Bewusstsein und Unbewusstes. Die Säulen, zwischen denen der
Hohepriester sitzt, sind grau, im Gegensatz zu denen der Hohepriesterin. Das
heißt, die Dualität des Lebens (schwarz und weiß) wird hier nicht erkannt, oder
ist aufgehoben. Alles ist Eins, es gibt kein Gut und kein Böse, es gibt nur das,
was ist. Im Gegensatz zum Herrscher hält der Hohepriester den Stab der Macht in
der linken Hand, das heißt, seine Macht kommt vom Herzen. Der Hohepriester ist
der spirituelle Lehrer des Tarot. Dadurch wird diese Karte zu einem Hinweis,
dass sie auf einem spirituellen Weg sind, der für ihre Entwicklung von großer
Bedeutung ist. Dass es sich um einen Lehrer handelt, zeigen auch die beiden
Menschen zu Füssen des Hohepriester, ebenso die zwei gekreuzten Schlüssel zu
seinen Füssen und zwischen den Schülern. Die Rosen und die Lilien auf den
Gewändern der beiden Schüler bedeuten Liebe und Reinheit. Die Haltung der
rechten Hand weist auf unser höheres Selbst hin, auf unser Überbewusstsein, und
damit darauf, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir mit unseren
beschränkten Möglichkeiten nicht wahrnehmen können. Irgendwann in unserem Leben
müssen wir uns aber von jedem Lehrer lösen und unseren eigenen Weg gehen, denn
sonst verfallen wir in Abhängigkeiten. Leider ist es oft diese Angst vor
Abhängigkeit, durch die wir oft verhindern, uns einem spirituellen Lehrer
zuzuwenden. Ein hoch entwickelter Lehrer wird seine Schüler von einem bestimmten
Zeitpunkt an wegschicken, um ihnen die Loslösung zu erleichtern. Und dies ist
vielleicht der größte Liebesdienst, den er ihnen erweisen kann. Überprüfen sie,
inwieweit sie irgendwelchen Dogmen oder Lehren verpflichtet sind. Es kann sein,
dass vieles von dem, was früher für sie sinnvoll war, seine Gültigkeit verloren
hat. Glaubenssätze verändern sich im Laufe der Zeit, und das ist gut, denn sonst
würden wir stehen bleiben.
