Tarotkarten – Die Liebenden
Eine nackte Frau und ein nackter Mann werden von einem Engel
gesegnet. Die beiden reichen sich die Hände. Der Mann schaut zur Frau, die Frau
zum Engel. Hinter dem Mann steht der Baum des Lebens, dessen Früchte als Flammen
dargestellt sind. Hinter der Frau der Baum des Wissens, die Schlange dort als
Symbol unbewusster Weisheit, sowie für Sexualität als eine Kraft zur
Erleuchtung. Zwischen den beiden steht ein einzelner Berg. Hier sehen wir wieder
drei Bewusstseinsstufen des Menschen abgebildet. Das Bewusste, dargestellt durch
den Mann, das Unbewusste, dargestellt durch die Frau und das Überbewusstsein,
dargestellt durch den Engel. Erst dadurch werden wir ganz. Nach einer Mythologie
waren die Menschen in alten Zeiten beides, nämlich jeder Mensch war männlich und
weiblich. Da Zeus Angst davor hatte, dass die Menschen so zu mächtig werden
könnten, trennte er diese beiden Anteile mit einem Donnerkeil. Seitdem ist nun
jeder Mensch auf der Suche nach seiner anderen Hälfte. Insofern ist diese Karte
auch ein Hinweis auf eine Seelenverwandtschaft, oder die “große Liebe”.
Auf
der physischen Ebene sind Mann und Frau notwendig, um das Fortbestehen der Art
zu garantieren. Auf der geistigen, spirituellen Ebene ist es notwendig, dass
sich die beiden Teile, Verstand und Intuition, Intellekt und Intelligenz des
Herzens, vereinen, um zu höherem Bewusstsein zu gelangen. An den Blicken der
beiden dargestellten Menschen erkennt man, dass der Weg zum höheren Selbst über
das Unbewusste führt, denn nur die Frau erkennt das höhere Selbst. Viele
erinnert diese Karte auch an die Darstellung des Paradieses, an Adam und Eva.
Die biblische Darstellung des Sündenfalls gab Eva die größere Schuld, weil sie
Adam verführte. Daraus entstand die Behauptung, die sich sehr lange hielt, die
Frau sei von Triebhaftigkeit beherrscht und der Mann von Vernunft. Körperliche
Leidenschaften wurden daher verdammt und kontrolliert. Diese Anschauung diente
natürlich einer repressiven Politik. Der Weg des Tarot ist aber der Weg der
Befreiung. Die beiden Menschen sind nackt dargestellt. Für uns ein Hinweis
unsere Körperlichkeit anzunehmen, alles zu genießen, was dieser Körper uns
bietet. Wie der Engel, so müssen auch wir selbst Geist und Körper vereinen ( ein
Berg ). Erst, wenn wir diese Anteile unserer Persönlichkeit lieben, können wir
die Liebe eines anderen Menschen wirklich erfahren, denn niemand kann erwarten
geliebt zu werden, wenn er sich selbst nicht liebt.
